Das Grundeinkommen ist dieses Jahr wählbar – auch in Lüneburg

In Lüneburg gibt es neuerdings wieder einen Grundeinkommen-Stammtisch. Dort wird sich ausgetauscht und dort finden  Grundeinkommenaktivist/-innen zueinander, die das bedingungslose Grundeinkommen aus akutem Anlass an die Öffentlichkeit bringen wollen. Denn es passiert etwas: Das Bedingungslose Grundeinkommen wird wählbar, es gibt jetzt die Ein-Themen-Partei Bündnis Grundeinkommen!

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein Einkommen, das jeder Mensch erhält. Es ist an keine Bedingung geknüpft. Es ist so hoch, dass der Mensch sich ausreichend Nahrung und die notwendigen Güter kaufen kann. Es ermöglicht dem Menschen auch ein Mindestmaß an kultureller Teilhabe. Kurzum, es soll jedem ein würdiges Auskommen garantieren. Erst kommt das Auskommen, dann kommt die Arbeit. Der Gedanke, dass man sich das Auskommen nicht selbst erarbeiten muss, macht viele stutzig, die das erste Mal davon hören. Vielleicht hilft es schon ein wenig, wenn ich kurz aushole:

„Die Entwicklung der Arbeitsgesellschaft führt zu ihrer eigenen Auflösung.“

Seitdem wir in einer Arbeitsgesellschaft leben, kümmert sich jeder selbst um sein Auskommen: Man muss so viel arbeiten, dass man genug Geld hat, sich mit den vorhandenen Gütern zu versorgen. Das beschäftigt die meisten Menschen sehr. Die Arbeitsgesellschaft hat sich aus der Industrialisierung ergeben. Durch die technischen Errungenschaften steigt die Effizienz. Wir befinden uns in einer Umbruchphase: Die Effizienz steigt in einem Maße, dass bereits jetzt ein Teil der menschlichen Arbeitskraft nicht mehr vonnöten ist und in der nahen Zukunft immer weniger vonnöten sein wird. Diese Entwicklung der Arbeitsgesellschaft führt zu ihrer eigenen Auflösung. Viele Menschen haben kein sicheres Einkommen mehr. Da ist es ein gutes Gefühl, zu denen zu gehören, die „produktiv“ sind und für sich selbst sorgen können. Und was geschieht mit der immer größer werdenden Zahl an Menschen, die in dieser Umbruchphase in Schwierigkeiten geraten? Von ihnen wird weiterhin grundsätzlich erwartet, dass sie für ihre Existenz sorgen. Leben diese Menschen in Würde? Keiner muss verhungern in unserem System. Es gibt für Erwerbslose ein Transfereinkommen, das  an folgende Bedingungen geknüpft ist: Sie müssen ihre Mittellosigkeit nachweisen und stellen sich für jede Arbeit, die sie „angeboten“ bekommen, zur Verfügung. Auch wenn sie in dieser Arbeit keinen Sinn sehen. Wenn sie ablehnen und das nicht rechtfertigen können, wird ihnen das „Existenzminimum“ gekürzt.

„das Grundeinkommen als ein großer Schritt in die richtige Richtung“

In einer Grundeinkommensgesellschaft dagegen ist die Existenz eines jeden Menschen gesichert. Das Grundeinkommen ist keine Sozialleistung. Jeder hat ein Recht darauf. Die scharfe Trennlinie zwischen denen, die „produktiv“ sind, und denen, die „versorgt werden“, ist also aufgehoben.

Wenn wir nicht mehr damit beschäftigt sind, unsere eigene Existenz zu sichern, kommen viele Herausforderungen und Fragen an die Oberfläche, um die wir uns vorher vielleicht nicht so kümmern konnten, die uns aber alle betreffen:

Wie gehen wir verantwortungsbewusst und gerecht miteinander, mit unseren Ressourcen und mit unseren Kapazitäten um? In welche Tätigkeiten und Prozesse möchte ich meine Energie investieren? Für wen arbeite ich unter welchen Bedingungen, wenn der Arbeitszwang wegfällt? Vielleicht nicht mehr für ein Unternehmen, dessen Methoden und Ziele zweifelhaft sind. Wie viel Geld und welche Güter brauche ich wirklich? Welche Arbeit sollte mehr gewertschätzt werden? Vielleicht die Arbeit, die sich mit der Behandlung und Lösung von individuellen und gesellschaftlichen Problemen befasst und die zur Gesundung von Individuen und Gesellschaft beiträgt. Egal welche Antworten der oder die Einzelne auf seine Fragen findet, die Befürworter/-innen des BGE sind sich sicher, dass ein Grundeinkommen ein großer Schritt in die richtige Richtung ist.

„Warum gibt es jetzt eine „Grundeinkommenspartei“?

Seit Jahrzehnten gibt es eine stetig wachsende Zahl an Grundeinkommensbefürworter/-innen, -aktivist/-innen und -initiativen, die mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit immer mehr Menschen inspirieren. Um flächendeckend ein „Ja“ zur Debatte ums Grundeinkommen zu erreichen, haben sich nun im ganzen Land BGE- Aktivist/-innen für einen neuen Weg entschieden: Das Bedingungslose Grundeinkommen soll bei der Bundestagswahl 2017 auf jedem Wahlzettel stehen! Also wurde im September 2016 in München die Ein-Themen-Partei Bündnis Grundeinkommen gegründet. Es existieren mittlerweile schon fast überall in Deutschland Landesverbände und Listen, die jede/r bei der Bundestagswahl mit seiner Zweitstimme wählen kann.

Wer das erfährt, spricht und diskutiert über das Grundeinkommen. Wer das BGE wählt, fordert die Debatte ums Grundeinkommen im Bundestag. Obwohl einige wenige  Politiker seit Jahren dafür werben, hat bisher keine der etablierten Parteien das BGE als vorrangige Priorität in ihr Programm aufgenommen. Deshalb ergreift das Bündnis Grundeinkommen jetzt Partei für sein Thema und nimmt es selbst in die Hand:  Das Bündnis Grundeinkommen fordert die Einrichtung einer Kommission zur Umsetzung des BGE und sieht die eigene Aufgabe dann darin, den Prozess der Umsetzung achtsam zu begleiten.

„Das BGE ist ein neuer, zukunftsweisender Weg für eine Gesellschaft“

Wann wird das geschehen? Das hängt von uns allen ab. Wie wir darüber sprechen, wie wir uns positionieren. Ab jetzt gibt es die Möglichkeit, sich mit einem Kreuz zu positionieren.

Das „eine“ Thema ist umfangreich und nach Ansicht der Ein-Themen-Partei das Kernelement einer Gesellschaft, in der die Menschen frei und aus der eigenen Motivation heraus handeln. Es ist ein neuer, zukunftsweisender Weg für eine Gesellschaft, die durch ihre technischen Errungenschaften in der Lage ist, die Menschen vom Arbeitszwang zu befreien. Bisher halten wir am überholten Paradigma der Arbeitsgesellschaft „alternativlos“ fest. Doch die Zeit ist reif, sich echten Alternativen wie dem BGE zu öffnen.

 

Lüneburger Stammtisch: Jeden 2. und 4. Montag 19 Uhr im Pons

Kontakt: Ilka_Eschricht@buendnis-grundeinkomen.de

Homepage: www.buendnis-grundeinkommen.de

 

Ilka Eschricht

Gastautorin, BGE Botschafterin in Lüneburg und mit Leidenschaft und großer Energie für die BGE Initiativen in Hamburg und aktuell Lüneburg tätig

 

Dies ist ein Gastartikel von ILKA ESCHRICHT: Sie ist seit 2007 überzeugte Befürworterin des Bedingungslosen Grundeinkommens. Als sie von Hamburg nach Lüneburg zog, gründete sie dort eine lokale Initiative. Sie studierte Soziale Arbeit an der HAW Hamburg. Währenddessen bekam sie zwei Kinder und baute zusammen mit ihren Mitbewohnern ihr jetziges Zuhause auf, einen Bauwagenplatz am Stadtrand. Nach ein paar Jahren BGE- Pause nahm sie die Gründung des Bündnisses Grundeinkommen als Anlass, gemeinsam mit ihrem Mann wieder in die BGE – Arbeit einzusteigen. Sie möchte gern bald als Sozialarbeiterin arbeiten und wünscht sich, dass sie und ihr Mann in Zukunft die Möglichkeit haben, Teilzeit erwerbstätig zu sein, damit beide viel Zeit für Familie, die Gemeinschaft und für Öffentlichkeitsarbeit fürs BGE haben.

Das Grundeinkommen ist dieses Jahr wählbar – auch in Lüneburg

2 Gedanken zu „Das Grundeinkommen ist dieses Jahr wählbar – auch in Lüneburg

  • 23. März 2017 um 09:49
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    Die Meinungen zu diesem Thema sind ja schon seit Jahren unterschiedlich, dennoch glaube auch ich dass so etwas auch hier bei uns eine Chance verdient hätte. Für viele Menschen wäre dies sicherlich eine Möglichkeit, um wieder auf die Beine zu kommen.

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  • 28. Juli 2017 um 18:41
    Permalink

    Kennen sie das Buch von Prof.Thomas Straubhaar? Ich wurde gern mal aus Sicht Bezahlbatkeit und Qualifizierung fuer die Zukunft in der digitalisierten Welt mit Fachleuten diskutieren.

    Kennenen sie das Buch Radikal sozial von Thomas Straubhaar?Mein Interesse ist die Qualifizierung vier die digitale Zukunft in Lüneburg..

    Q

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