Radikal gerecht – Wie das bedingungslose Grundeinkommen den Sozialstaat revolutioniert (Thomas Straubhaar)

radikal gerecht

Wie könnte unser Sozialstaat mit den Herausforderungen Alterung, Digitalisierung, Individualisierung und Arbeitsethos umgehen? Thomas Straubhaar hält das bedingungslose Grundeinkommen für eine Möglichkeit, die unser Sozialsystem revolutionieren könnte. Er fordert: “Die Vision muss Realität werden. Lieber früher als später!”. Warum? Das legt er in seinem Buch “Radikal gerecht” dar, welches ich im Folgenden vorstellen möchte.

Warum ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Unser heutiger Sozialstaat basiert auf der Ausgangslage im 19. Jahrhundert und löst die Probleme von Gesellschaften,

  • die eine klassische Bevölkerungspyramide aufweisen,
  • auf einem traditionellen Familienbild beruhen,
  • die starkes wirtschaftliches Wachstum aufweisen
  • und auf einem Arbeitsethos der lebenslangen Erwerbstätigkeit als Regelfall gründen.

Das Buch geht detailliert auf jeden der vier Punkte ein und erklärt, warum diese vier Pfeiler in Zukunft immer weniger unseren Sozialstaat werden tragen können. Aber es bleibt nicht nur bei der Analyse sondern es zeigt auch auf, wie unser Sozialsystem umzubauen wäre, damit es in Zukunft tragfähig und auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zugeschnitten ist. Weg von einer nachgelagerten Sozialpolitik, die erst dann unterstützt, wenn der Notfall eingetreten ist, hin zu einer ermutigenden und ermächtigenden Sozialpolitik, die den Menschen in die Lage versetzt sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Wie soll das bedingungslose Grundeinkommen ausgestaltet werden?

Thomas Straubhaar spricht sich für eine Auszahlung des soziokulturellen Existenzminimums, dessen Höhe politisch durch die Gesellschaft festzulegen sei, als negative Einkommenssteuer aus. Sein Modell sieht vor, dass alle Einkünfte (bspw. Löhne, Gewinne, Mieteinnahmen, Dividenden etc.)  mit dem gleichen Steuersatz versteuert werden und zeigt auf, dass auch ein konstanter Steuersatz zu einem progressiven Steuersystem führt. Die höhe des Steuersatzes ist abhängig von der Höhe des Grundeinkommens. Ein hohes Grundeinkommen erfordert einen höheren Steuersatz, ein niedriges Grundeinkommen kommt mit geringeren Steuersätzen aus. Betrachtet man die heutige Belastungssituation der Arbeitnehmer, könnte bei ungefähr gleicher Belastung ein Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro pro Monat ausgezahlt werden.

Jedoch, und hier liegt mein persönlicher Kritikpunkt an diesem Konzept, wäre bei gleicher Belastung keine Sozialversicherung mehr enthalten und man müsste ggf. privat eigene Vorsorge betreiben, wodurch dann eben doch eine höhere Belastung entsteht. In seinen Berechnungen wird zwar ein Budget zur Abdeckung von zu definierenden Notfällen vorgesehen, aber eine Krankenversicherung, ein Arbeitslosengeld I oder eine Rente auf heutigem Niveau wird daraus nicht zu finanzieren sein. Der Staat sorgt dann ausschließlich für das Existenzminimums eines jeden Mitglieds der Gesellschaft. Was vollkommen in Ordnung wäre, wenn eben auch mehr Geld für private Vorsorge zur Verfügung steht.

Fazit

Das Buch bietet einen übersichtlichen und leicht verständlichen Zugang zum Thema. Es ist empfehlenswert, für alle die sich noch nicht mit dem Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens beschäftigt haben. Kenner werden eher wenig Neues zum Thema im Buch finden. Insgesamt wird ein umfassender Überblick über die Probleme am heutigen Sozialsystem sowie die Chancen einer Modernisierung mittels bedingungslosem Grundeinkommen zur Verfügung gestellt. (Leseprobe)

Thomas Rackow

bedingungslos-beflügelt podcast, BGE - Botschafter


Als nächstes werde ich das Buch “Utopien für Realisten” von Rutger Bregman lesen und eine Zusammenfassung veröffentlichen.

Verlagstext – rowohlt:

Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen

Was sind heute die großen Ideen? Historischer Fortschritt basierte fast immer auf utopischen Ideen: Noch vor 100 Jahren hätte niemand für möglich gehalten, dass die Sklaverei abgeschafft oder die Demokratie wirklich existieren würde.
Doch wie begegnen wir den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt, des Familienlebens, des gesamten globalen Gefüges?
Der niederländische Vordenker Rutger Bregman sagt: «Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können.»
Wir müssen es wagen, das Unmögliche zu denken, denn nur so finden wir Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Bregman macht deutlich, warum das bedingungslose Grundeinkommen eine echte Option ist und inwiefern die 15-Stunden-Woche eine Antwort auf die Digitalisierung der Arbeit sein kann. «Alternativlos» ist für Bregman keine Option, sogar die Armut kann abgeschafft werden, wie er am Beispiel einer kanadischen Stadt zeigt. Bregmans Visionen sind inspirierend, seine Energie ist mitreißend; er zeigt: Utopien können schneller Realität werden, als wir denken.

«Rutger Bregman rüttelt uns wach.» The Times


Der Kauf des Buches über die Links auf dieser Seite unterstützt das Projekt “bedingungslos beflügelt” und sorgt dafür, dass unsere Kosten gedeckt und auch in Zukunft Inhalte zur Verfügung gestellt werden können.

 

 

Radikal gerecht – Wie das bedingungslose Grundeinkommen den Sozialstaat revolutioniert (Thomas Straubhaar)

Ein Gedanke zu „Radikal gerecht – Wie das bedingungslose Grundeinkommen den Sozialstaat revolutioniert (Thomas Straubhaar)

  • 7. Dezember 2017 um 14:02
    Permalink

    Ob Sie unter “Bücher” auch kritische Publikationen auflisten könnten – im Sinne der Meinungsvielfalt? Denn dann fällt mir der OECD Bericht zum Basic Income ein oder etwa das kritische Büchlein von Karl Stickler – “Wie das bedingungslose Grundeinkommen die gesellschaftliche Solidarität untergräbt” …

    Mut zur Darstellung verschiedener Standpunkte!

    Franziska

    Antworten

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