Wie Unterschriften beflügeln können.

Das Bündnis Grundeinkommen muss in jedem Bundesland eine bestimmte Anzahl Unterstützerunterschriften sammeln, damit die neue Partei im Herbst bei der Bundestagwahl tatsächlich auf dem Wahlzettel erscheint und das Grundeinkommen wählbar wird.

Eine Formalie. Eine lästige Pflicht? Eine Hätte-ich-das-doch-endlich-erledigt-Angelegenheit? Etwas, das wir so schnell wie möglich abhaken sollten?

Ja klar, stimmt schon, um unser Ziel zu erreichen – auf dem Wahlzettel zu stehen – müssen wir das machen.

Aber unser eigentliches Ziel ist doch keine Formalie. Die Einführung des BGE ist ja auch nichts, das wir einfach abhaken wollen. Unsere Idee ist es, die Zukunft so zu gestalten, dass sie uns schon jetzt, in diesem gelebten Moment beflügelt und der Geist des Grundeinkommens greifbar wird! Also los, auf geht’s!

Es ist Samstag in Freiburg. Die Sonne scheint, als ich mich auf den Weg in die Innenstadt mache, aber die Luft ist noch kalt und es windet. Am Schwabentor holt mein Freund schon die mobile Kaffeebar aus der Galerie, wo er sie über Nacht stehen lassen durfte. Vom Laden nebenan bekommen wir Strom und Wasser für die Kaffeemaschine. Mit dieser beflügelnden Unterstützung im Rücken bauen wir auf. Heute soll es den Kaffee bedingungslos geben.

Die Kaffeemaschine ist noch nicht warm, da kommt schon die erste Dame und fragt, wo sie unterschreiben könne. Sie hätte in der Zeitung davon gelesen und sei extra mit dem Zug in die Stadt gekommen deswegen. Sie bedankt sich, dass wir uns für das Grundeinkommen engagieren. Das dürfen wir noch häufiger hören an diesem Tag. Das tut gut, geht rein ins Herz, das beflügelt.

Ein junger Herr im sportlichen Radlertrikot mit Sohn hält extra an, um uns zu erklären, dass das mit dem Grundeinkommen eine völlig unrealistische Idee sei, nicht finanzierbar und utopisch. Er will auch keinen Kaffee, ist aber sehr zugewandt, freundlich und absolut überzeugt von seiner Meinung. Er muss dann doch weiter, obwohl er es noch nicht geschafft hat, uns von unserem Vorhaben abzubringen. Aber da wurden Meinungen ausgetauscht, da wurde laut, aber respektvoll miteinander debattiert. Da wurde unsere Demokratie für einen Moment sichtbar. Das macht Freude, das beflügelt.

Die Stunden vergehen und mein Hirn verstopft sich langsam mit einem Gemisch aus Cappuccino, ja, eine Ein-Themen-Partei, der Zucker steht hier, ja, es steht tatsächlich jedem bedingungslos zu, einen extra Espresso in den Latte macchiato, gerne, das Konsumsteuermodell ist nur eine von vielen Ideen.

Aber das macht nichts, denn da sind ja auch noch die anderen. Dina ruft mir zu: Machst du noch einen Kaffee mit Milch für den Herren. Und ich rufe zurück: Ja klar, und kannst du der Dame nochmal was über unser Bündnis erzählen? Und dann passiert es immer wieder, dass die Menschen an der Kaffeebar stehen bleiben, den Milchschaum löffeln, und miteinander ins Gespräch kommen, diskutieren und sich über ihre Ideen für die Zukunft unserer Gesellschaft austauschen, da geht es dann gar nicht mehr nur ums BGE. Da ist ein Raum entstanden im Gewusel der Samstagsnachmittagseinkäufe, in dem Menschen verharren, ihre Zeit verschenken und sich begegnen. Das beflügelt.

Und dann ist da eine internationale Gruppe junger Leute, mit deren Unterschriften wir doch gar nichts anfangen können. Aber der Kaffee ist ja bedingungslos. So, yes, sure, if you want a coffee, come, it’s for free. That´s the idea of the unconditional basic income. Und lächelnde Menschen ziehen koffeingestärkt von dannen.

Ein Schweizer: Ach so, den Kaffee bekommen wir einfach so, bedingungslos? Ach, jetzt verstehe ich das erst, da habe ich ja ganz falsch abgestimmt!

Die Begegnungen sind voller Interesse, Zugewandtheit und Freundlichkeit.

Wir wollten nur Unterschriften sammeln und haben so viel mehr bekommen!

Das beflügelt.

Judith Matern

bedingungslos-beflügelt blog, BGE - Botschafterin

Wie Unterschriften beflügeln können.

2 Gedanken zu „Wie Unterschriften beflügeln können.

  • 19. April 2017 um 15:20
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    NEIN! Nur von den etablierten Parteien in der Schublade versenkt und das wird mit einer eigenen politisch wählbaren Parteistimme GANZ SCHNELL wieder anders. Also los! Wenn nicht wir, wer dann? Lasst uns zumindest für unsere Kinder den Grundstein legen – JETZT!

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    • 22. April 2017 um 07:14
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      DOCH! Ich habe vielleicht vergessen zu schreiben, dass wir 100 Unterschriften gesammelt haben! In BaWü fehlen keine 300 Unterschriften mehr. Das Grundeinkommen wird im Herbst wählbar sein.
      Aber gleichzeitig – und das war mir wichtig, zu sagen – erreichen wir mit unseren Gesprächen mit den Menschen beim Unterschriften noch viel mehr: Die gute Stimmung und der Optimismus für eine bessere Zukunft, der gerade auch das Bündnis Grundeinkommen ausmacht und wohl auch von vielen anderen Parteien unterscheidet, springt über – und ich glaube sogar auf die, die jetzt ihre Stimme dem Grundeinommen noch nicht geben. Deshalb stimme ich dir voll zu: Also los! So beflügelt sammeln wir auch noch die letzten Unterschriften und ja: WIr legen diesen Grundstein für unsere Kinder – JETZT!

      Antworten

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